Smart Cities: Moos und IoT-Technologie bekämpfen Feinstaub
The Art of Revolt

Smart Cities setzen IoT-Technologie ein: Mit dem digital vernetzten Citytree aus Moos soll Feinstaub bekämpft werden. © Green City Solutions

Den wohl cleversten Stadtbaum Berlins habe ich neulich auf dem Campus des Europäischen Energieforums in Schöneberg entdeckt. Dort filtert der „The Art of RevoltCityTree“ nicht nur Abgase aus der zuweilen dicken Berliner Luft, sondern speichert und teilt mittels Sensoren Wetterinformationen von seinem Standort. Obwohl, die Bezeichnung „Baum“ ist in diesem Fall etwas weiter gefasst: in einer senkrechten, circa fünf Meter hohen Fläche sprießen aus 1682 kleinen Töpfchen Moose in einem saftigen Grün hervor. Gerade im nasskalten Novemberwetter ist das mal ein toller Farbtupfer, der sicher dem einem oder anderen Spaziergänger ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Aber richtig Freude machen mir persönlich die inneren Werte des CityTree.

Besseres Klima für die Smart City

Denn die Innovation des Unternehmens Green City Solutions ist ein Rundum-Konzept zur Verbesserung der Luftqualität in den Smart Cities, zu denen sich gerade die Millionen-Metropolen rund um den Globus weiterentwickeln. Deren Smog-Problem ist mehr oder weniger offensichtlich: Mehr, weil inzwischen fast jeder die Bilder aus Städten wie Peking oder London kennt. Weniger, weil kaum jemand weiß, dass auch in Deutschland pro Jahr fast 45.000 Menschen an den Folgen der Feinstaubbelastung sterben, schätzt das Bundesumweltamt. Zwar kämpfen bereits viele Großstädte aktiv gegen den Smog. Aber machen wir uns nichts vor, bis nur noch E-Autos auf den Straßen sind und die Energieversorgung in Großstädten vor allem aus regenerativen Energien gespeist wird, werden noch einige Jahre vergehen. Doch bis dahin leben immer mehr Menschen in Städten: bis 2050 sollen es ca. 80% der Weltbevölkerung sein.

IoT-Ökologie: Abgase von 267 Autos neutralisiert

In der Zwischenzeit sind also schnelle, pragmatische Lösungen wie der CityTree genau der richtige Weg. Laut Angaben seiner Erfinder neutralisiert der nämlich in einem Jahr die Abgase von 267 PKW. Denn die Moose nehmen ihre Nährstoffe komplett über die Blattoberflächen auf. So „fressen“ die kleinen Pflänzchen im wahrsten Sinne des Wortes die Stickstoffoxide und Feinstoffpartikel, die sie über die Luft einfangen. Und wachsen kann das Ganze dank des modularen Prinzips quasi überall: als Kombi aus Werbe- und Sitzfläche, an Hauswänden, Sicht- und Lärmbarriere an Hauptstraßen usw. Ist also bald Schluss mit „Mama Berlin – Backsteine und Benzin, wir lieben deinen Duft, wenn wir um die Häuser zieh'n“, wie es Seeed besang?

Besonders „smart“ ist diese geniale Idee aber dank der Sensoren, die den grünen Luftfilter zum IoT-Device machen. Geht in heißen Sommermonaten das in Sammelbehältern gespeicherte Regenwasser zu Ende, kann der CityTree das den Stadtwerken oder seinen Besitzern melden. Überhaupt entspricht der Informationsfluss dem „Digital Age“: ein Dashboard visualisiert auf dem Smartphone oder Computer in Echtzeit die Leistungs- und Zustandsinformationen des CityTree sowie die Umweltdaten aus seiner unmittelbaren Umgebung. Den Strom hierzu bezieht das IoT-Beet ganz natürlich über eigene Solarzellen – ein Modell für IoT-Ökologie, das hoffentlich nicht nur in Berlin bald zum Straßenbild gehört.

 

Weitere Informationen zum Thema und zu grünen Smart City Innovationen siehe Bundesumweltamt: Feinstaubproblematik

Luftqualitätsanalyse über Mobilfunkdaten in Nürnberg

City Performance Tool von Siemens