Gefühlte Realität: Empathy-VR
Split the Wall

Planen Sie in den nächsten Jahren einen Umzug in eine Metropole wie Berlin, London oder Peking? Dann sollten Sie sich nicht der Illusion hingeben, dass die Chancen auf die Traumwohnung oder gar das Traumhaus von etwas anderem abhängen als Ihrem Budget und Glück. Allerdings kann die Suche nach dem geeigneten Domizil wesentlich einfacher und günstiger ablaufen, nämlich per Virtual Reality (VR)-Brille. Damit kann man nämlich in die digitale Kunstwelt eines Neubauhäuschens mit Garten und Vogelgezwitscher oder in eine Datenversion von Küche, Diele, Bad eintauchen, ohne die eigenen vier Wände zu verlassen. Oder man besucht den VR-Showroom eines Immobilienmaklers, der das neue Eigenheim lange vor dem Bau mit Lasersensoren und VR-Brille zum digitalen Leben erweckt.

Einfühlungs-Maschinen für Onliner?

Die Branche zählt damit zu den Pionieren eines Trends, der in naher Zukunft noch einiges an Veränderungspotenzial bietet: Emphaty-VR. Technologien wie die Datenbrillen Oculus Rift von Oculus VR/Facebook oder HTC Vice von HTC/Valve finden den Weg aus dem Gamer-Segment in B2B-Anwendungen, etwa bei der Steuerung und Wartung von Maschinen in der Industrie 4.0. Auf Emotionen und Empathie bei der virtuellen Erfahrung setzen aber nicht nur Freizeitparks, Immobilienmakler und Weiterbildungsanbieter. auch NGOs und Gesundheitsorganisationen, nutzen diese Technologie, um uns noch eindringlicher reale Krisen und Herausforderungen im wahrsten Sinne des Wortes „vor Augen“ zu führen.

Ob VR damit – wie von wired vermutet – schon die „ultimative Empathie-Maschine“ sein kann, bezweifle ich sehr. So leicht lässt sich die Vielschichtigkeit der (non-)verbalen Kommunikation einfach nicht in eine Simulation übertragen. Und beim Strandspaziergang mit dem ersten Date im echten Leben liegt die Romantik ja auch gerade darin, sich mal einfach aufs Fühlen einzulassen.

Virtueller Perspektivenwechsel

Allerdings hat Emphaty-VR das große Potenzial, Perspektivwechsel und damit gesellschaftliche Veränderungsprozesse anzustoßen. Google tut dies bereits im Projekt „A walk through dementia“, dass mittels VR die Auswirkungen von Alzheimer eindringlicher vermittelt als jede Statistik oder medizinische Studie. Und im Berliner Street-Art-Projekt „The HAUS“ versetze eine VR-Rauminstallation der International Justice Mission e.V. die Besucher für kurze Zeit in die Lebenswelt einer indischen Slumbewohnerin, (mehr Informationen siehe im Video). In meinen Augen ein wirklich spannender Weg, die VR-Technologie für ein wertvolles Anliegen einzusetzen. Genau darum sollte es gehen: über den (virtuellen und wirklichen) Horizont der eigenen vier Wände hinausblicken, über räumliche und kognitive Grenzen von Kulturen, Altersgruppen, Milieus hinweg.

 

Weitere Beispiele für Emphaty-VR unter

https://www.projectempathyvr.com/#empathy

http://www.virtu.care/